Vertrauen

Vater wirft Kind hoch, Vertrauen
Karolin Köhn | Mai 2025

Wenn eines meiner Kinder aus dem Schlaf erwacht und weint, ist meine erste Reaktion, es in den Arm zu nehmen, zu trösten und zu wiegen. Das Trösten und Wiegen passiert intuitiv. Es ist in uns angelegt, es vermittelt unseren Kindern Schutz, es hilft bei der Stressregulation, beruhigt und fördert die Bindung. Bereits im Mutterleib werden wir geschaukelt und getragen. Dieses Gefühl begleitet uns unser Leben lang. Ich selbst spüre, wie gut es mir als Mutter tut, mein Kind zu halten. Aber wurde auch ich immer gehalten? Ehrlich? Keine Ahnung. Ich weiß schlichtweg nicht alles über meine frühe Kindheit. Allerdings weiß ich, wie Urvertrauen entsteht und ich weiß, was ich dafür tun kann.
 

Urvertrauen aufbauen

Das, was wir heute Urvertrauen nennen, entsteht nicht plötzlich – es wächst in den ersten Lebensmonaten, in der Art und Weise, wie wir gehalten, getröstet und gesehen werden. Der britische Psychoanalytiker John Bowlby, Begründer der Bindungstheorie, beschrieb diesen Prozess als das Fundament für unser gesamtes späteres Beziehungsleben.

Laut Bowlby sind wir Menschen von Geburt an auf Bindung programmiert – wir suchen Nähe, Schutz und emotionale Sicherheit bei einer Bezugsperson. Wenn diese Person verlässlich und feinfühlig auf unsere Bedürfnisse reagiert, entwickelt sich ein Gefühl tiefer Sicherheit: Ich bin okay. Die Welt ist ein sicherer Ort. Ich darf fühlen, was ich fühle.

Im Körper gespeichert

Diese Erfahrung speichert sich nicht nur im Kopf, sondern im ganzen Nervensystem. Man nennt es „sicheres Bindungsmuster“, das eng mit dem Urvertrauen verknüpft ist. Fehlt diese Sicherheit – etwa durch emotionale Vernachlässigung, unvorhersehbares Verhalten der Bezugsperson oder andauernden Stress – kann das Kind stattdessen ein unsicheres Bindungsmuster entwickeln. Das Vertrauen in andere, und oft auch in sich selbst, wird brüchig.

Unsere eigenen Erfahrungen aus der Kindheit prägen also unser Vertrauen, wenn wir erwachsen sind. Und so prägt es auch das Vertrauen unserer eigenen Kinder. Das Spannende: Auch wenn unser Urvertrauen in der frühen Kindheit geprägt wird, ist es kein starres Schicksal. Durch achtsame Beziehungen – auch im Erwachsenenalter – kann es heilen, wachsen und sich verändern.

Aber was können wir für ein gesundes Ur-Vertrauen für unsere Kinder genau tun?

  1. Körperliche Nähe geben – Kuscheln, Tragen, Halten stärkt das Gefühl von Sicherheit.
  2. Feinfühlig reagieren – Bedürfnisse wahrnehmen und liebevoll beantworten.
  3. Verlässliche Rituale schaffen – Alltag mit Sicherheit und Orientierung füllen.
  4. Emotionen spiegeln und benennen – „Du bist traurig, weil …“: Das schafft Verbindung.
  5. Konflikte gemeinsam reparieren – Auch nach Streit wieder in Beziehung gehen.

Und was ist mit uns?

  1. Eigene Gefühle ernst nehmen – Was du fühlst, ist richtig. Punkt.
  2. Sichere Beziehungen suchen & pflegen – Wo du echt sein darfst, entsteht Heilung.
  3. Den Körper einbeziehen – Achtsamkeit, Atem, Bewegung regulieren dein Nervensystem.
  4. Alte Bindungsmuster anschauen – z. B. im Coaching oder durch Reflexion.
  5. Schritt für Schritt Vertrauen wagen – mit dir selbst und anderen. In kleinen Momenten.

Die gute Neuigkeit

Vertrauen lässt sich (wieder) aufbauen. Vertrauen ist ein Prozess – kein Zustand. Selbst innerhalb der Partnerschaft können wir durch Verlässlichkeit, Echtheit und emotionale Präsenz Vertrauen herstellen und es auch wiederherstellen. Und wir als Eltern können das, was wir gelernt haben, aufbrechen. Durch Zuhören, Halt geben, und ehrlich sein. Ehrlich zu seinen Kindern? Klar, wieso nicht. Du darfst sagen, dass du müde oder auch überfordert bist und einen Moment Zeit benötigst, um die richtigen Worte finden zu können. Das ist nämlich gar nicht so leicht, wenn du es als Kind gewöhnt warst, dass du angeschrien wurdest oder dir Strafen auferlegt wurden. Das ist abgespeichert und viel schneller abrufbar. Es gibt diese Momente, in denen wir „Stopp“ sagen dürfen.

Du darfst dich gerne fragen:

  • Wann habe ich mich zuletzt richtig sicher gefühlt?
  • Wie habe ich gelernt, zu vertrauen – oder auch nicht?
  • Was wünsche ich mir für mein Kind – und wie kann ich heute den ersten Schritt machen?

Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit – aber ein Geschenk, das wir uns selbst und unseren Liebsten machen können. Schritt für Schritt. Mit Gefühl. Und ganz viel Mitmenschlichkeit.


 

Wenn dich das Thema anspricht und du das Gefühl hast, du möchtest tiefer einsteigen – melde dich gern bei mir!

Karolin Köhn Beziehungscoaching

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